
Heute werden Urkunden überwiegend mit Computerdruckern und Kopiergeräten erstellt und ausgedruckt. Manipulationen oder Fälschungen an diesen Dokumenten führen jedoch in Gerichtsverfahren zu erheblichen Problemen. Forensische Urkundenuntersucher setzen hochentwickelte Geräte und optische Instrumente ein, um solche Eingriffe festzustellen. Darüber hinaus lassen sich Spuren wie Hersteller und Seriennummer der zur Herstellung verwendeten Geräte analysieren und so wichtige Erkenntnisse gewinnen. Dieser Beitrag behandelt ausführlich die Untersuchung von mit Computerdruckern erzeugten Dokumenten, den Nachweis von Manipulationen und die Bestimmung der Spuren der verwendeten Geräte.
1. Arten der Manipulation bei Computerausdrucken
Manipulationen an mit Computerdruckern erstellten Dokumenten können auf unterschiedliche Weise vorgenommen werden. Die häufigsten Arten sind:
- Radierung: Die Tinten- oder Tonerschicht in bestimmten Bereichen des Dokuments wird abgeschabt oder wegradiert, um eine Änderung vorzunehmen.
- Rasur: Durch einen physischen Eingriff in die Schrift wird versucht, den Text zu verändern. Solche Rasuren lassen sich durch mikroskopische Untersuchungen sichtbar machen.
- Ergänzungen: Dem Originaldokument wird neuer Text hinzugefügt. Dies lässt sich durch die Untersuchung struktureller Unterschiede der Tinte oder des Toners innerhalb desselben Dokuments feststellen.
Jede Art der Manipulation kann mit speziellen Techniken und Geräten analysiert werden, um festzustellen, ob ein Dokument gefälscht ist.
🕵️♂️ Der unsichtbare Fingerabdruck: die Gelbpunkt-Technologie (MIC)
Ein Blatt Papier, das mit bloßem Auge weiß erscheint, kann tatsächlich Tausende versteckter Codes tragen. Farblaserdrucker drucken mikroskopisch kleine gelbe Punkte (Machine Identification Code) auf ihre Ausdrucke. Durch die Analyse dieser Punkte in unserem Labor können wir feststellen, von welchem Drucker sowie an welchem Datum und zu welcher Uhrzeit das Dokument ausgedruckt wurde.
2. Methoden der forensischen Urkundenuntersuchung
2.1. Optische Untersuchungstechniken

Die optische Untersuchung umfasst die Analyse der physischen Struktur von Dokumenten unter Vergrößerung. Mikroskope und Lupen werden eingesetzt, um Manipulationen wie Radierungen und Rasuren festzustellen. Zudem lassen sich durch die Untersuchung unter UV-(Ultraviolett-) und IR-(Infrarot-)Licht Tintenunterschiede und nachträglich ergänzte Stellen sichtbar machen.
2.2. Spektroskopische Analyse
Mit spektroskopischen Verfahren werden die Bestandteile der im Dokument verwendeten Tinte oder des Toners analysiert. Diese Methode deckt Manipulationen auf, wenn in einem Dokument mehr als eine Tintenart verwendet wurde. Gleichzeitig ermöglicht sie die Unterscheidung verschiedener Drucktechnologien (etwa Laser- und Tintenstrahldrucker).
2.3. Analyse von Druckerspuren
Jeder Drucker hinterlässt eigene, charakteristische Spuren. Mechanismen wie Toner, Druckkopf oder Trommel erzeugen auf den Ausdrucken bestimmte Muster oder Mikrospuren. Diese Spuren geben Aufschluss über Hersteller und Modell des Druckers. Unter Vergrößerung lassen sich die unterscheidenden Merkmale des Druckers bestimmen.
3. Bestimmung der Herstellungsdaten eines Dokuments
Mit Computerdruckern erstellte Dokumente können verschiedene Spuren des Geräts enthalten. Moderne Drucker und Kopiergeräte hinterlassen auf jedem erzeugten Dokument eine Art „Fingerabdruck“. Dieser Fingerabdruck enthält Herstellungsdaten des Geräts. Folgende Informationen können festgestellt werden:
- Hersteller und Modell des Geräts: Jeder Drucker und jedes Kopiergerät hinterlässt auf dem Ausdruck bestimmte Muster.
- Seriennummer: Manche Drucker bringen auf ihren Ausdrucken mikroskopisch kleine Punkte an, die die Seriennummer des Geräts enthalten (dot-pattern technology). So lässt sich ermitteln, mit welchem Gerät das Dokument erstellt wurde.
- Datum und Uhrzeit der Erstellung: In welchem Jahr, Monat, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit ein Ausdruck erstellt wurde, lässt sich anhand von Speicherspuren des Geräts oder Druckerprotokollen bestimmen.
Diese Daten haben insbesondere in Fälschungs- und Betrugsfällen Beweiswert.
🔍 Mögliche Eingriffe in ein Dokument
Beseitigung von Text auf mechanischem oder chemischem Weg. Nachweis über gestörte Papierfasern.
Nachträglich hinzugefügter Text. Erkennbar an Tinten- oder Tonerunterschieden und an der Schreibreihenfolge.
Digitale Zusammenfügung verschiedener Dokumente. Nachweis über Pixelfehler.
4. Untersuchung von Manipulationen im Gerichtsverfahren
Die forensische Urkundenuntersuchung ist wichtig, um Fälschungs- und Manipulationsdelikte aufzudecken. Manipulationen an Dokumenten können von Sachverständigen festgestellt und in Gerichtsverfahren als Beweismittel vorgelegt werden. Gutachten spielen vor Gericht eine entscheidende Rolle und helfen, Zweifel an der Echtheit eines Dokuments auszuräumen. Zu den in der forensischen Urkundenuntersuchung eingesetzten Methoden und Geräten gehören:
- Hochauflösende Mikroskope: Ermöglichen eine detaillierte Untersuchung durch Vergrößerung von Manipulationsspuren.
- UV- und IR-Kameras: Stellen Unterschiede bei Tinte oder Toner fest.
- Forensische Softwarelösungen: Analysieren Druckspuren und Seriennummern des Geräts.
🔬 Der VSC sieht, was das Auge nicht sieht
Mit unseren Video-Spektral-Komparatoren (VSC) trennen wir die verschiedenen Tinten auf einem Dokument unter Infrarot-(IR-) und Ultraviolett-(UV-)Licht. Selbst wenn sie im gleichen Schwarz erscheinen, leuchten Tinten mit unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung auf unserem Bildschirm in verschiedenen Farben und verraten so die Fälschung.
5. Fallbeispiele zu Drucker- und Kopiergerät-Dokumenten
Methoden der forensischen Urkundenuntersuchung wurden in zahlreichen Fälschungsfällen eingesetzt. So sind Druckerspuren etwa beim Nachweis gefälschter Schecks oder Ausweisdokumente von großer Bedeutung. Bei der rechtswidrigen Vervielfältigung vertraulicher Dokumente spielen zudem die Informationen, mit welchem Gerät und wann das Dokument erstellt wurde, eine entscheidende Rolle für die Aufklärung. Dank solcher Analysen werden Fälschungsversuche aufgedeckt und es wird ein Beitrag zur Rechtspflege geleistet.
Manipulationen an mit Computerdruckern und Kopiergeräten erstellten Dokumenten können in Gerichtsverfahren erhebliche Probleme verursachen. Mit modernen Geräten zur Dokumentenuntersuchung und optischen Verfahren lassen sich solche Manipulationen jedoch nachweisen. Auch Informationen darüber, mit welchem Gerät und wann ein Dokument erstellt wurde, können analysiert werden. Forensische Urkundenuntersucher nutzen diese Technologien, um die Echtheit von Dokumenten festzustellen, und tragen so zur Aufdeckung von Fälschungsdelikten bei. Solche Analysen sorgen dafür, dass in Gerichtsverfahren verlässliche Beweise vorgelegt werden, und helfen, der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen.
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